Kneipenspiele: Was am Wirtshaustisch gespielt wird
Es gibt Spiele, die brauchen einen Tisch, ein paar Leute und sonst nichts, was nicht ohnehin in der Hosentasche oder hinter dem Tresen liegt. Diese Seite stellt die bekanntesten davon vor: worum es geht, was man braucht, für welche Runde sie sich eignen und wo sie herkommen. Zu den wichtigsten gibt es eigene Regelseiten.
Auf einen Blick
| Spiel | Material | Personen | Dauer pro Partie | Charakter |
|---|---|---|---|---|
| Münzknobeln | 3 Münzen pro Person | 2 bis 12+ | 3–10 Minuten | Schätzen, Bluffen, Rechnen |
| Schocken | 3 Würfel, Becher, 13 Deckel | 2 bis 6 | 15–30 Minuten | Nerven, Taktik bei der Wurfzahl |
| Mäxchen | 2 Würfel, Becher | 3 bis 10 | 1–3 Minuten pro Runde | Lügen und Zweifeln |
| Zehntausend | 6 Würfel, Zettel | 2 bis 8 | 20–40 Minuten | Risiko abwägen, Punkte zählen |
| Chicago | 3 Würfel, Becher, Chips | 2 bis 6 | 10–20 Minuten | Schocken-Verwandter mit Wurfwertung |
| Würfelpoker | 5 Würfel, Becher | 2 bis 5 | 1–2 Minuten pro Runde | Pokerblätter, Herauslegen, Bluff-Variante |
| Kniffel | 5 Würfel, Block | 1 bis 6 | 20–30 Minuten | Punktespiel, Felder taktisch füllen |
Münzknobeln
Das Spiel, um das sich diese Website dreht. Jede Person nimmt verdeckt null bis drei Münzen in die Faust, reihum wird die Gesamtsumme aller Fäuste geschätzt. Wer exakt trifft, scheidet aus; wer als Letzter übrig bleibt, zahlt die Runde. In England heißt es Spoof, in vielen Gegenden einfach „Knobeln“ oder „Zechknobeln“.
Der große Vorteil gegenüber allen Würfelspielen: Es braucht wirklich nichts. Münzen hat jeder, ein Becher ist nicht nötig, und die Regeln passen in fünf Sätze. Gleichzeitig steckt mehr darin, als man auf den ersten Blick sieht – wer die eigene Hand kennt und die Tipps der anderen liest, trifft messbar öfter als jemand, der rät. Die Tabellen und der Rechner zeigen, wie viel.
Schocken
Der Klassiker des Rheinlands und Westfalens, in jeder zweiten Kneipe zwischen Köln und Münster zu Hause. Gespielt wird mit drei Würfeln im Lederbecher und dreizehn Bierdeckeln als Strafsteinen. Wer in einer Runde den schlechtesten Wurf hat, bekommt Deckel; wer am Ende alle dreizehn hält, hat die Halbzeit verloren. Zwei verlorene Halbzeiten – oder ein verlorenes Finale – und die Runde geht auf die eigene Rechnung.
Die Faszination liegt in der Wurfhierarchie: Ein „Schock aus“, drei Einsen, beendet die Halbzeit auf einen Schlag. Und weil der erste Spieler festlegt, wie oft die anderen würfeln dürfen, hat Schocken eine taktische Ebene, die man ihm nicht zutraut.
Schocken: Regeln und Wurfhierarchie →
Mäxchen (Meiern, Lügenmax)
Zwei Würfel unter dem Becher, ein kurzer Blick, eine Ansage – die stimmen kann oder auch nicht. Die nächste Person muss entweder glauben und selbst höher ansagen, oder anzweifeln und den Becher heben. Das höchste Ergebnis, die 2 und die 1, ist das Mäxchen, das dem Spiel seinen Namen gibt. Anderswo heißt es Meiern, Lügenmax, Mexico oder Einundzwanzig.
Mäxchen ist das schnellste Spiel dieser Liste. Eine Runde dauert kaum länger als eine Minute, weshalb es sich besser als jedes andere für große Tische eignet: Es kann zehn Personen beschäftigen, ohne dass jemand lang warten muss. Wer verliert, bekommt einen Strich oder übernimmt die vereinbarte Aufgabe.
Mäxchen: Regeln, Reihenfolge und Bluff-Tipps →
Mäxchen-Rechner: Wie wahrscheinlich ist die Ansage? →
Zehntausend
Sechs Würfel, ein Zettel, viel Rechnerei: Bei Zehntausend sammelt man Punkte durch Einsen, Fünfer und Drillinge und entscheidet nach jedem Wurf, ob man die Ausbeute sichert oder weiterwürfelt – auf die Gefahr hin, alles zu verlieren. Wer zuerst zehntausend Punkte erreicht, gewinnt. Im englischen Sprachraum ist das Spiel als Farkle bekannt, in Österreich und Süddeutschland oft als „Zehntausend“ oder „Zehntausender“.
Es ist das ruhigste der fünf Spiele, weil jede Person für sich würfelt und niemand blufft. Dafür ist es das einzige mit echter Spielstands-Dramatik: Ein Rückstand von dreitausend Punkten lässt sich mit zwei mutigen Runden aufholen, und das weiß der Tisch.
Zehntausend: Punktetabelle und Regeln →
Chicago
Ein naher Verwandter des Schockens: ebenfalls drei Würfel im Becher, ebenfalls bis zu drei Würfe pro Person, aber eine kürzere Wurfreihenfolge mit der namensgebenden 4 · 2 · 1 an der Spitze, und Chips statt Deckel. Der Name ist tückisch, denn in Norddeutschland und Skandinavien meint „Chicago“ oft ein völlig anderes Spiel mit zwei Würfeln, bei dem die Runden von 2 bis 12 durchgezählt werden. Die Regelseite erklärt beide.
Chicago: Regeln beider Varianten →
Würfelpoker
Fünf Würfel, drei Würfe, und statt einer Wurfreihenfolge die Blätter des Pokers: Paar, zwei Paare, Drilling, Straße, Full House, Poker, Grande. Man legt zwischen den Würfen beiseite, was man behalten will, und am Ende gewinnt das beste Blatt der Runde. Mit Becher und Untersetzer lässt es sich auch als Bluffspiel wie Mäxchen spielen, mit deutlich feineren Abstufungen.
Würfelpoker: Rangfolge und Wahrscheinlichkeiten →
Kniffel
Würfelpoker mit Block: dieselben Blätter, aber jedes darf pro Spiel nur einmal gewertet werden, und nach dreizehn Zügen zählt die Summe. Das bekannteste Würfelspiel des deutschsprachigen Raums ist weniger ein Kneipen- als ein Küchentischspiel, wird aber in vielen Lokalen mit Block hinter dem Tresen gespielt. Die Feinheiten – 63er-Bonus, zweiter Kniffel, Joker, was man wann streicht – kennen die wenigsten.
Kniffel: Punktetabelle, Bonus und Taktik →
Was sie gemeinsam haben
Alle diese Spiele leben davon, dass sie nebenbei laufen. Sie unterbrechen das Gespräch nicht, sie brauchen keinen Spielleiter, und niemand muss sich ein Regelheft durchlesen: Man setzt sich dazu und spielt nach zwei Runden mit. Und fast alle haben denselben Schluss – irgendwer zahlt die nächste Runde. Was es dabei zu beachten gibt, steht im Ratgeber.
Wer eines davon ausprobieren möchte, ohne Würfel oder Becher aufzutreiben: Münzknobeln gibt es hier als Online-Version, kostenlos und ohne Anmeldung.