Chicago – die Regeln

Das Würfelspiel mit drei Würfeln – und seine Zwei-Würfel-Variante

„Chicago“ ist am Wirtshaustisch ein gefährlicher Name, denn er meint zwei völlig verschiedene Spiele. Das verbreitetere ist ein Verwandter des Schockens: drei Würfel im Becher, bis zu drei Würfe, eine feste Wurfreihenfolge, und wer die Runde verliert, kassiert einen Chip. Das zweite ist ein Zwei-Würfel-Spiel, bei dem die Runden von 2 bis 12 durchgezählt werden. Diese Seite erklärt beide – zuerst das Drei-Würfel-Spiel, das in Deutschland und Österreich meist gemeint ist.

Material und Ziel

Benötigt werden drei Würfel, ein Würfelbecher und Chips – Streichhölzer, Münzen, Bierdeckelstücke, was gerade da ist. Jede Person erhält zu Beginn dieselbe Anzahl, üblich sind fünf. Gespielt wird ab zwei Personen; drei bis sechs sind ideal.

Ziel ist es, seine Chips zu behalten. Wer den schlechtesten Wurf der Runde hat, gibt einen Chip in die Mitte. Wer keinen mehr hat, scheidet aus. Wer als Letzter noch Chips besitzt, gewinnt – die ausgeschiedene Person mit den wenigsten Runden Überlebenszeit, also die erste ohne Chips, zahlt.

Die Wurfreihenfolge

Rangfolge der Würfe, absteigend. Die 4 · 2 · 1 gibt dem Spiel seinen Namen.
RangWurfBezeichnung
14 · 2 · 1Chicago
21 · 1 · 1Dreierpasch Einsen (höchster Pasch)
36 · 6 · 6 bis 2 · 2 · 2Dreierpasch, absteigend
44 · 5 · 6, 3 · 4 · 5, 2 · 3 · 4, 1 · 2 · 3Straße, absteigend
5alle übrigen, z. B. 6 · 5 · 3Zahl, absteigend gelesen

Bei der Zahl werden die Würfel von hoch nach niedrig gelesen: 6 · 5 · 3 ist „653“, 6 · 5 · 2 ist „652“ und liegt darunter. Der niedrigste mögliche Wurf ist die „221“. Der Einserpasch steht über allen anderen Päschen – das ist die auffälligste Abweichung zum Schocken, wo drei Einsen als „Schock aus“ eine eigene Kategorie bilden.

Ablauf einer Runde

1. Würfeln, bis zu dreimal

Die beginnende Person würfelt verdeckt unter dem Becher. Sie darf nach jedem Wurf Würfel herauslegen – offen liegen lassen – und mit den restlichen weiterwürfeln, höchstens dreimal insgesamt. Herausgelegte Würfel dürfen nicht wieder aufgenommen werden. Wer eine 4 · 2 wirft, legt beide heraus und würfelt auf die 1.

Wie beim Schocken gilt: Die Zahl der Würfe der ersten Person ist das Maximum für alle anderen. Wer nach einem Wurf aufhört, zwingt den Rest des Tisches, mit einem Wurf auszukommen.

2. Reihum

Im Uhrzeigersinn würfeln die übrigen Personen, jede mit höchstens so vielen Würfen wie der Startspieler. Nach dem letzten Wurf wird der Becher gehoben.

3. Auswerten

Der schlechteste Wurf der Runde verliert und gibt einen Chip in die Mitte. Bei Gleichstand verliert, wer mehr Würfe gebraucht hat; bei erneutem Gleichstand würfeln die Betroffenen den Verlierer in einer Stichrunde aus. Die verlierende Person beginnt die nächste Runde.

Chicago gewürfelt. Wer eine 4 · 2 · 1 hat, gewinnt die Runde automatisch – und in vielen Runden geben alle anderen einen Chip ab, nicht nur der Schlechteste. Diese Regel macht den Namenswurf zum Ereignis; ohne sie ist Chicago nur ein etwas höherer Wurf.

Einserpasch. In manchen Runden kostet ein verlorener Wurf gegen drei Einsen zwei Chips statt einem. Vor der ersten Runde klären.

Eine Beispielrunde

  1. Vier Personen mit je fünf Chips. Anna beginnt und würfelt 4 · 2 · 5. Sie legt 4 und 2 heraus und würfelt mit einem Würfel weiter: 3, dann 6. Am Ende liegt 6 · 4 · 2 – eine Zahl, „642“. Drei Würfe.
  2. Bert darf bis zu dreimal. Nach dem zweiten Wurf liegt 3 · 3 · 3, ein Dreierpasch. Er hört auf.
  3. Clara würfelt dreimal und landet bei 5 · 3 · 1 – „531“, die schlechteste Zahl bisher.
  4. Dieter würfelt im ersten Wurf 2 · 3 · 4, eine Straße, und hört auf.
  5. Clara hat verloren, gibt einen Chip in die Mitte und beginnt die nächste Runde. Bert hatte den besten Wurf, das bringt ihm nichts – es zählt nur, nicht der Schlechteste zu sein.

Die Zwei-Würfel-Variante: Chicago mit Runden

Vor allem in Skandinavien und Norddeutschland meint „Chicago“ ein anderes Spiel: zwei Würfel, und die Runden werden von 2 bis 12 durchgezählt. In Runde 2 versucht jede Person, die Summe 2 zu würfeln, in Runde 3 die Summe 3 und so weiter. Wer die Rundenzahl trifft, bekommt einen Punkt – oder einen Chip aus der Mitte. Nach Runde 12 gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Die Runden 2 und 12 sind mit je einer von 36 Kombinationen fast unerreichbar, die Runde 7 mit sechs von 36 die ergiebigste. Wer beide Spiele kennt, nennt das Drei-Würfel-Spiel zur Unterscheidung oft „Kneipen-Chicago“ und die Rundenvariante „Chicago 2 bis 12“. Ein einfacher Test, welches gemeint ist: Liegen zwei oder drei Würfel auf dem Tisch?

Häufige Hausregeln

Verwandte Spiele

Wer die Wurfhierarchie mag, sollte Schocken kennen – mehr Kategorien, Deckel statt Chips und Halbzeiten. Würfelpoker nutzt fünf Würfel und Pokerblätter statt der Reihenfolge, Kniffel macht daraus ein Punktespiel mit Zettel. Alle Spiele im Überblick auf der Seite Kneipenspiele.

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