Würfelpoker – die Regeln

Fünf Würfel, drei Würfe, Pokerblätter – ohne Karten und ohne Einsatz

Würfelpoker überträgt die Blätter des Kartenspiels auf fünf Würfel: Paar, Drilling, Full House, Straße, Poker. Man würfelt bis zu dreimal, legt zwischendurch Würfel beiseite und versucht, das beste Blatt am Tisch zu bauen. Weil niemand Karten halten muss und eine Runde eine Minute dauert, ist es eines der beliebtesten Becherspiele überhaupt – und der direkte Vorfahre von Kniffel.

Material und Ziel

Benötigt werden fünf Würfel und ein Becher. Klassisch gibt es Pokerwürfel mit Kartenbildern (9, 10, Bube, Dame, König, Ass), normale Augenwürfel tun es aber genauso – die 6 ist dann das Ass. Gespielt wird ab zwei Personen; ideal sind drei bis fünf.

Ziel ist es, in jeder Runde das höchste Blatt zu haben. Wer die Runde verliert – also das niedrigste Blatt hat –, bekommt einen Strich. Bei drei Strichen ist man raus oder zahlt, je nach Vereinbarung. Alternativ wird auf Punkte gespielt, dazu unten mehr.

Die Rangfolge der Blätter

Rangfolge von oben nach unten. Die Wahrscheinlichkeit gilt für einen einzigen Wurf mit fünf Würfeln; mit drei Würfen und Herauslegen sind alle Blätter deutlich häufiger.
RangBlattBeispielChance in einem Wurf
1Grande (fünf gleiche)4 · 4 · 4 · 4 · 40,08 %
2Poker (vier gleiche)6 · 6 · 6 · 6 · 21,93 %
3Full House (Drilling + Paar)3 · 3 · 3 · 5 · 53,86 %
4Große Straße2 · 3 · 4 · 5 · 61,54 %
5Kleine Straße1 · 2 · 3 · 4 · 51,54 %
6Drilling5 · 5 · 5 · 2 · 615,43 %
7Zwei Paare6 · 6 · 3 · 3 · 123,15 %
8Ein Paar4 · 4 · 6 · 3 · 146,30 %
9Nichts (höchster Würfel zählt)6 · 5 · 3 · 2 · 16,17 %

Innerhalb eines Ranges entscheidet die Augenzahl: Ein Drilling Sechsen schlägt einen Drilling Fünfen, beim Full House zählt zuerst der Drilling, bei zwei Paaren zuerst das höhere Paar. Sind auch die gleich, entscheidet der Rest – und wenn wirklich alles gleich ist, wird die Runde zwischen den Betroffenen wiederholt.

Auffällig: Eine Straße ist in einem einzigen Wurf seltener als ein Full House, wird aber traditionell niedriger bewertet. Das kommt vom Kartenpoker, wo die Verhältnisse umgekehrt sind, und wird so gut wie überall beibehalten. Manche Runden stellen die Straße deshalb über das Full House – vor der ersten Runde klären.

Ablauf einer Runde

1. Erster Wurf

Die beginnende Person würfelt mit allen fünf Würfeln. Sie entscheidet, welche Würfel sie behält – die legt sie offen vor sich hin – und welche sie neu würfelt. Hat sie zum Beispiel 3 · 3 · 5 · 1 · 6, behält sie das Paar Dreien und würfelt mit drei Würfeln weiter.

2. Zweiter und dritter Wurf

Bis zu zwei weitere Würfe sind erlaubt. Nach jedem Wurf darf neu entschieden werden, welche Würfel liegen bleiben – auch bereits behaltene Würfel dürfen in vielen Runden wieder aufgenommen werden, wenn sich ein besseres Blatt anbietet. Nach dem dritten Wurf ist das Blatt fest.

Wie bei Schocken und Chicago gilt in den meisten Runden: Die Zahl der Würfe der ersten Person ist das Maximum für alle anderen. Wer nach dem ersten Wurf ein Full House hat und stehen bleibt, zwingt den Tisch, es mit einem einzigen Wurf zu schlagen.

3. Vergleich

Alle anderen würfeln reihum. Danach werden die Blätter verglichen: Das höchste gewinnt die Runde, das niedrigste bekommt einen Strich. Die verlierende Person beginnt die nächste Runde.

Eine Beispielrunde

  1. Anna beginnt: 2 · 2 · 5 · 5 · 6. Zwei Paare. Sie behält beide Paare und würfelt den letzten Würfel zweimal neu – 3, dann 5. Full House (Fünfen über Zweien) nach drei Würfen.
  2. Bert darf dreimal würfeln. Er kommt nicht über einen Drilling Vieren hinaus.
  3. Clara hat nach dem ersten Wurf 1 · 2 · 3 · 4 · 6, behält 1 bis 4 und würfelt zweimal auf die 5. Beim zweiten Versuch fällt sie: Kleine Straße.
  4. Dieter würfelt 6 · 6 · 6 · 6 · 1 im ersten Wurf – Poker – und lässt liegen.
  5. Dieter gewinnt die Runde, Bert hat das niedrigste Blatt und bekommt einen Strich. Er beginnt die nächste Runde.

Die Punktevariante

Statt Striche zu verteilen, wird häufig über eine feste Zahl an Runden – üblich sind fünf – auf Punkte gespielt. Jedes Blatt hat einen Wert:

Eine verbreitete Punktetabelle. Die Werte schwanken von Tisch zu Tisch, das Verhältnis bleibt meist ähnlich.
BlattPunkte
Grande50
Poker40
Full House30
Große Straße25
Kleine Straße20
Drilling15
Zwei Paare10
Ein Paar5
Nichts0

Wer nach der letzten Runde die meisten Punkte hat, gewinnt; die wenigsten Punkte zahlen. Diese Variante ist gerechter als das Strichsystem, weil ein einzelner Pechwurf nicht gleich das Spiel entscheidet – und sie ist der direkte Schritt zu Kniffel, wo jedes Blatt nur einmal pro Spiel gewertet wird.

Die Bluff-Variante

Mit Becher und Untersetzer lässt sich Würfelpoker wie Mäxchen spielen: Man würfelt verdeckt, sagt ein Blatt an – wahr oder nicht – und die nächste Person muss entweder glauben und ein höheres Blatt ansagen oder den Becher heben. Weil es neun Ränge mit vielen Abstufungen gibt, dauern die Reihen länger als beim Mäxchen und die Lügen werden feiner: Aus einem Drilling Vieren wird ein Drilling Fünfen, nicht gleich ein Poker.

Häufige Hausregeln

Taktik in drei Sätzen

Ein Paar nach dem ersten Wurf ist der Normalfall (46 %), kein Grund zur Freude – wer zwei Würfe Zeit hat, kommt von dort in rund zwei Dritteln der Fälle zum Drilling oder besser. Eine angefangene Straße (vier in Reihe) lohnt sich nur, wenn sie an beiden Enden offen ist, also 2 · 3 · 4 · 5: Dann fehlt eine 1 oder eine 6, zwei Chancen statt einer. Und als Startspieler mit einem Full House aus dem ersten Wurf sofort stehen bleiben – ein Wurf für alle ist beim Würfelpoker das schärfste Mittel.

Verwandte Spiele

Kniffel macht aus denselben Blättern ein Punktespiel über dreizehn Runden. Chicago und Schocken spielen mit drei Würfeln und einer Wurfreihenfolge statt Blättern. Alle Spiele im Überblick auf der Seite Kneipenspiele.

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